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Kommunikationsfehler der Kölner Silvesternacht

Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln wurden durch die beteiligten Akteure fünf der wichtigsten Regeln der Krisenkommunikation nacheinander und gründlich verletzt. Lesen Sie dazu unseren Gastkommentar für das Pressesprecher-Magazin: Zum Artikel



Rhetorik-Check: Horst Seehofer

Für viele steckt Deutschland in einer Krise. Von Januar bis September 2015 ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 124,1 Prozent angestiegen. Die Unterbringung der Asylsuchenden steht unter anderem wegen fehlender Zelte, zu wenig geeigneter Flächen und dem nahenden Winter vor hohen Hürden.

MP Horst Seehofer 2013
Foto von Freud, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Kaum ein anderer Politiker aus den demokratischen Parteien kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik so scharf wie Horst Seehofer. Er fordert eine Begrenzung der Zuwanderung, eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber und droht sogar mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.

Seehofers Kritik an Merkel darf allerdings nicht fehlgedeutet werden. Sie ist Bestandteil einer Strategie der Union, ihren Rückhalt in der Bevölkerung zu festigen und auszubauen. Die Strategie scheint darin zu bestehen, dass die CDU um Merkel progressiv-links gerichtete Stimmungen auffängt (Mindestlohn, Atomausstieg) und Seehofer und die CSU sich eher rechts-konservativ (Ausländermaut, striktere Asylpolitik) orientieren.

Wenn die Flügel darauf achten, dass der Schulterschluss regelmäßig wieder funktioniert, dann deckt die Union ein breites Spektrum der deutschen Wählerinteressen ab. Insofern wäre Seehofers Attacke auf Merkels Flüchtlingspolitik strategisch motiviert und eine Einigung in dieser Sache reine Formsache.

Aus kommunikativer Sicht jedoch geht Seehofer dabei ein hohes Risiko ein, weil er seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt: Zum einen muss seine eingefleischte Stammklientel letztendlich den Kompromiss mittragen und zum anderen sollten Seehofers Aussagen auch inhaltlich fundiert sein.

Da mutet es fast peinlich an, wenn die Bild darauf aufmerksam macht, dass es bei der Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern, also einem Kernanliegen des bayerischen Ministerpräsidenten, auch in Bayern extrem hakt. Am Ende kann eine kurzfristig angelegte und wenig faktenbasierte Kommunikationsstrategie dazu führen, dass gleich noch einmal Vertrauen verspielt und der Schaden am Ende sogar vergrößert wird.



Donald J. Trump – Milliardär, Präsidentschaftskandidat, Krisenmanager?

Von Jonas Henatsch und Daniel Ossenkop — Wenn sich jemand mit dem Umgang mit wirtschaftlichen Konkurrenten und dem Umgang mit Krisen auskennt, ist es sicherlich Multimilliardär Donald J. Trump. Der Sohn von Frederick Christ Trump jr. und Erbe eines riesigen Immobilienimperiums machte sich schon bald einen eigenen Namen an der Spitze der väterlichen Firma, die er 1974 übernahm. Mit der Konzentration des Geschäfts auf Manhattan legte er den Grundstein für den zukünftigen Erfolg. Später erweitere Trump seine Geschäftsbereiche auch auf den Sportbereich. So betreibt er beispielsweise mehrere Golfplätze und besaß zeitweise gar ein selbst gegründetes Profi-Footballteam.

Donald Trump ist aber nicht nur wirtschaftlich erfolgreich. Er versteht es wie kaum ein anderer, sich medial optimal in Szene zu setzen. Ob die Miss-Universe-Organisation, das World Wrestling Entertainment (WWE) oder gar Auftritte in Filmen, Trump scheint in den USA allgegenwärtig zu sein. Auch als Buchautor betätigt sich Trump sehr erfolgreich.

Es ist wenig überraschend, dass sich der medial sehr erfahrene und der Selbstdarstellung nicht abgeneigte Trump zutraut, für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren. 2016 möchte er für die Republikaner in das Weiße Haus einziehen.

Donald J. Trumps politische Agenda ist durchaus ambitioniert und greift einige Krisen auf, der sich die USA aktuell gegenüber sehen. Neben dem Problem der illegalen Einwanderung aus Mexiko möchte er vor allem, dass sich die USA der geo- und wirtschaftspolitischen Herausforderung durch andere wirtschaftliche Großmächte stellen und dem Selbstbild der Supermacht gerecht werden. Er betont außerdem, dass er es als erfolgreicher Geschäftsmann nicht nötig habe, sich in den verworrenen Kreisen der Mächtigen in Washington, D.C. zu bewegen und sich von diesen beeinflussen zu lassen.

Im Bereich Krisenbewältigung hat sich Trump also einiges vorgenommen. Kein Wunder, besitzt Trump doch umfangreiche Erfahrungen in den relevanten Bereichen. Bereits in seinem Buch „The America We Deserve“ aus dem Jahr 2000 befasst er sich mit den Problemen, Herausforderungen und Krisen, vor denen die USA seiner Meinung nach stehen oder in Zukunft stehen werden. Er beschränkt sich dabei nicht auf eine bloße Benennung, sondern bietet gleichzeitig konkrete und praxisorientierte Lösungen an.

Auch über Krisen und Probleme in der freien Wirtschaft hat Donald J. Trump geschrieben. In seinen Bestsellern „Surviving at the Top“ und „The Art of Comeback“ setzt sich der erfolgreiche Geschäftsmann mit Krisenbewältigung und Erfolg im Kapitalismus auseinander. Insbesondere der Umgang mit Konkurrenten und das Überstehen von Wirtschaftskrisen werden hier am Beispiel seiner eigenen Biographie näher beleuchtet.

Kontrovers diskutiert werden aktuell seine Äußerungen zu lateinamerikanischen Einwanderern. Auf der einen Seite betitelte er viele als Kriminelle, ohne sie jedoch per se zu dämonisieren. In seinem Thesenpapier äußert er zudem den Plan, den Grenzzaun zu Mexiko zu verstärken sowie die Kosten der mexikanischen Regierung in Rechnung zu stellen. Für Aufsehen sorgten auch seine öffentlichen Angriffe auf Mitrepublikaner und Konkurrent John McCain, die ihm jedoch keine signifikanten Einbußen an Stimmen innerhalb der Partei einbrachten. Ganz im Gegenteil: Trump konnte in letzter Zeit sogar noch kräftig zulegen und gilt inzwischen als Favorit der Republikaner.

Mit Trump verfügen die Republikaner über einen sehr erfolgversprechenden Kandidaten. Er besitzt umfangreiches Fachwissen in zahlreichen relevanten Bereichen, vor allem in der Wirtschaft, der Außendarstellung und in der Bewältigung von Krisen. Mit dem Finger am Puls der öffentlichen Meinung kann er stets reagieren, wenn sich diese überraschend ändern sollte. Seine Auftritte zählen bereits jetzt zu den meistdiskutierten Highlights im US-Wahlkampf. Er versteht es meisterlich zu provozieren und zu polarisieren. Nicht zuletzt geht er genau die Themen an, die unter seinem Vorgänger Barack Obama vernachlässigt wurden. Dabei hätte die Welt es bei Donald J. Trump aus jetziger Sicht mit einem eher gemäßigten US-Präsidenten zu tun – trotz aller Rhetorik. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die USA unter seiner Führung zu alter Stärke und Entschlossenheit zurückfinden könnten. Sollte dieser Fall eintreten, dürfte es interessant sein zu beobachten, wie er auf die aktuellen Krisen im In- und Ausland reagiert.

Bei all seinen Erfolgen und Fähigkeiten sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass sich Trump mit seinen öffentlichen Äußerungen in die Ecke der rechten Populisten einordnen ließe. Sicherlich ist er jemand, der im Wahlkampf einfache Antworten auf komplexe Fragen gibt und den geplanten Skandal nicht scheut. Auf der anderen Seite hat er sich im Hinblick auf die Politik in der Vergangenheit sehr ausgewogen gezeigt, war zeitweise gar Mitglied der Demokraten und vertrat gemäßigte Positionen. Entscheidend ist, welche Politik er im Falle seiner Wahl tatsächlich betreiben würde. Um diese zu gewinnen, kommen ihm die populistischen Mittel aber gerade recht.