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Kommunikationsfehler der Kölner Silvesternacht

Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln wurden durch die beteiligten Akteure fünf der wichtigsten Regeln der Krisenkommunikation nacheinander und gründlich verletzt. Lesen Sie dazu unseren Gastkommentar für das Pressesprecher-Magazin: Zum Artikel



Rhetorik-Check: Viktor Orbán

Kaum ein Politiker in Europa polarisiert derzeit so stark wie der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán. Die Kritik entzündet vorrangig sich an seiner Haltung in der Flüchtlingspolitik: Auf nationaler Ebene behandele er Flüchtlinge menschenunwürdig und auf europäischer Ebene blockiere er eine Quote bei der Verteilung, weshalb aufnahmewillige Länder wie Deutschland und Schweden an ihre Grenzen stoßen würden. In dieser Situation achtet die europäische Öffentlichkeit nicht nur auf Orbáns Taten, sondern auch auf seine Worte. Welche Rückschlüsse für die europäische Flüchtlingskrise lassen sich aus seinen Statements ablesen?

Mit dem Satz, das Problem sei nicht europäisch, sondern deutsch, drehte Orbán an der Eskalationsschraube im Streit zwischen Deutschland und Ungarn. Ihm dürfte klar gewesen sein, dass er damit die Bundesregierung direkt vor den Kopf stößt, was für seine Position auf internationaler Ebene verheerend ist. Seine Aussage hat aber auf die nationale Ebene abgezielt, und bei seiner national-konservativen Wählerschaft hat er damit einen Nerv getroffen. Orbáns aggressive Rhetorik wird erst dann verständlich, wenn man sie in den richtigen Kontext setzt. Der forsche Mann aus Budapest betreibt in erster Linie nationalstaatliche Politik. Europa, Solidarität und Humanität kommen bestenfalls an zweiter Stelle.

Auf der anderen Seite stellt Orbáns Äußerung einen massiven Angriff auf die Bundesregierung dar. Die deutsche Haltung erzeuge einen „Pull-Effekt“ und führe dazu, dass noch mehr Flüchtlinge nach Europa kämen. Und tatsächlich lässt die Position der Bundesregierung viele Fragen offen. Wer in der deutschen Haltung zu Flüchtlingen uneingeschränkte Humanität erkennt, ist naiv. Wenn Deutschland mit seiner Flüchtlingspolitik wirklich die Not in der Welt bekämpfen wollte, dann hätten auch Wirtschaftsflüchtlinge Anspruch auf Asyl – was Merkel jedoch ablehnt. Das sollte man im freudeschwangeren Spätsommer von 2015 im Hinterkopf behalten.